428 Bischof Bossuets Einleitung
sondern nur ein einziges Orakel davon öffentlich be-kannt werden lassen. Die Juden sind die einzigen ge-wesen, deren heilige Schriften desto geehrter gewesensind, ie bekannter sie waren. Unter allen alten Völ-kern wareil sie die einzigen, welche die ersten Denk-mäler von ihrer Religion erhielten, ob sie gleich vol-ler Zeugnisse wider ihren Ung'cmben und den Un-glauben ihrer Vorfahren waren. Dieses Volk er-halt sich heut zu Tage noch, um zu allen Völkern, un-ter die es zerstreut worden ist, mit der Folge der Re-ligion die Wunder undWeißagungen zu bringen, diesie unbeweglich machen.
Als Jesus Christus erschien, und von seinem Va-ter gesandt wurde, die Verheißungen des Gesetzeszu erfüllen, so hat er seine Gesandtschaft und die Ge-sandtschaft seiner Jünger mit neuen Wundern bestä-tigt, die mit eben so vieler Sorgfalt aufgezeichnet wor-den sind. Die Geschichte davon ist aller Welt in dieHände gegeben worden; die Umstände der Zeiten, derPersonen und der Oerter haben die Untersuchung der-selben denen leicht gemacht, welche sich um ihre Se-ligkeit bekümmern wollen. Die Welt ist unterrichtetworden; die Welt hat den Glauben angenommen,und wenn man die alten Denkmäler der Kirche einwenig erwogen hat, so wird man gestehen, daß niemalseine Sache, die Beweise verlangt hat, mit größrerUeberlegung und Gewißheit ausgemacht worden ist.
Allein wir müssen bey dem Verhältnisse, welches dieBücher des alten und des neuen Testamentes mit ein-ander haben, einen wichtigen Unterschied anmerken.Die Bücher des alten jüdischen Volkes sind zu ver-schiednen Zeiten verfertiget worden; einige zu den
Zeiten