Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
430
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4zo Bischof Bossuets Einleitung

aber haben sie ihren Nachkommen, als ein kostbaresErbtheil, überlassen, und die fromme Nachkommen-schaft hat sie erhalten.

Auf die Weise ist die Sammlung der heiligenSchriften sowohl des alten als des neuen Bundes ent-standen. Man hat diese Schriften vom Anfange herin allem für wahrhaft angesehen, und geglaubt, daß sievon Gott eingegeben wordeil sind. Mail hat sie auchdeswegen mit einer solchen Ehrfurcht erhalten, daßman geglaubt hat, man könnte, ohne ein Verbreche»zu begehen, nicht einen einzigen Buchstaben darinnenandern.

So sind sie denn bis auf uns gekomMen,immcr heilig,immer unverändert; jene sind durch eine beständigeTradition der Juden, und diese durch eine fortwah-rende Tradition der Christeil erhalten worden, die de-sto gewisser ist, da sowohl diejenigen, von welchendiese Schriften geschrieben worden sind, als diejeni-gen, auf welche sie gekommen sind, sie mit ihrem Blu-te und mit dem Märtyrerthume bestätiget haben.

Der heilige Augusiin und andre Kirchenvater fra-gen, auf wessen Wort wir die weltlichen Schriften ge-wissen Zeiten und gewissen Verfassern zueignen*?Ein jeder antwortet sogleich, daß sich diese Schriftendurch die verschiednen Verhältnisse, die sie mit denGesetzen, Gebräuchen und Geschichten gewisser Zeitenhaben, durch die Schreibart, welche mit dein Cha-rakter der Alter und der Verfasser gleichsam ver-siegelt sind, uild vornehmlich durch den öffentlichenGlauben und eine beständige fortdaurende Traditionvon einander unterscheiden, und ein Ansehen erhalten.Alles dieses trifft bey den heiligen Schriften ein; man

kann

* ^uM. comr. r-mst. XI, 2. XXXII. II. XXXIII. 6.