Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
436
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4Z6 Bischof Bossuets Eillleitung

daß Esra auf einmal angefangen habe, unter dem Na-men Mosis eine Geschichte seiner alten Begebenheiten,und das Gesetz, die Richtschnur seiner Sitten, bekanntzu machen, nachdem die alte Monarchie dieses Volkesdurch seine Gefangenschaft umgestürzt worden ist?Kann man einer solchen Fabel Glauben beymesscn,ohne zugleich unwissend, und ein Gotteslästrer zuseyn?

Wenn ein solches einmal angenommenes Gesetzuntergehen soll, so muß entweder ein Volk ausgerot-tet werden, oder durch vielej große Veränderungen soweit kommen, daß es von seinem Ursprünge von seinerReligion, und von seinen Gebräuchen nur eine ganzverwirrte und dunkle Erkenntniß übrig behält. Solldieses Unglück dein jüdischen Volke begegnet, und seinGesetz, das unter dein Zedekiaö noch so bekannt gewe-sen ist, sechzig Jahre hernach untergegangen seyn, obsich gleich ein Ezechiel, ein Jeremias, ein Baruch,ein Daniel, und viele andre für die Erhaltung des-selben unglaubliche Mühe gegeben, und obgleich das-selbe seine Märtyrer gehabt, wie solches die Beyspie-le Daniels und der dreyMänner beweisen; ist, sage-ich,dieses Gesetz in so kurzer Zeic vklohren, und so sehrvergessen worden, daß es dem Esra erlaubt ist, nachseinem Gutdünken wieder herzustellen: So war nichtdas einzige Buch, welches er unterschieben mußte.Er mußte zu gleicher Zeit nicht allein alle alten undneuen Propheten, diejenigen nämlich, welche vor undwährend der Gefangenschaftgeschrieben hatten, und die-jenigen, welche das Volk selbst noch ihre Weißagungmaufschreiben sehen, und von denen sie das Andenken be-ständig echielt,, sondern auch die Bücher des KönigesSalonw/Und die PsalmenDavids, und alle historischen