509 Bischof Bossuets Einleitung
ten; ob sie also gleich ihre Beherrscher änderten, sowurde doch die Regierungsart nicht geändert. Eswurde den Aegyptern schwer, die Perser zu leiden, de-ren Joch sie sehr oft abzuwerfen suchten. Allein siewaren nicht kriegerisch und streitbar genug, durch ihreeigne Macht, sich wider eine so große Macht zu be-haupten, und die Griechen, von denen sie vertheidigtwurden, bekamen anderwärts zu thun, und waren ge»zwungen, Aegypten seinem Schicksale zu überlassen. Esverfiel also immer wieder unter die Gewalt seiner vo-rigen Beherrscher, hielt aber beständig mit der größ-ten Hartnäckigkeit an seinen alten Gebräuchen, undwar unfähig, von den Grundsäßen seiner ersten Köni-ge ganz abzuweichen. Allein ob es gleich unrcr derRegierung der Ptolomäen noch vieles davon beybehielt,so wurde endlich doch die Vermischung der griechischenund asiatischen Sitten und Gewohnheiten so groß, daßman das alte Aegypten beynahe nicht mehr kannte.
Man muß nicht vergessen, daß selbst in der Ge-schichte der Aegypter in Ansehung der Zeiten ihrer al-ten Könige eine überaus große Ungewißheit herrscht.Man weis nicht recht, wo man den Osimanduas hin-. rechnen soll, von welchem wir in dem DiodoruS sovwä.i.l. prächtige Denkmäler, und so viele herrliche Zeichen5cH. filier Siege antreffen. Es scheint, daß die Aegypterden Vater des Sesostris nicht kennen, den Herodo-tuS und Diodorus nicht nennen. Die Macht diesesKöniges ist auch mehr durch die Denkmäler, die eraufbauen lassen, als durch die Nachrichten seines Lan-des im Andenken geblieben, und diese Gründe zeigenuns, daß man nicht glauben müsse, wie einige thun,daß alles, was die Aegypter von ihren Alterthümernsagten, so gewiß und richtig gewesen sey, als sie sich
rühmten,