Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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in die allgemeine Geschichte. 499

das Labyrinth ausmachten. Obgleich Aegypten seinePracht nicht vergessen konnte, so'wurde es dochunter diesen zwölf Prinzen getheilt und geschwächt. Ei-ner von ihnen, Pfammetichus, machte sich durch denBeystand der Fremden zum Herrn über die andern»Aegypten erholte sich wieder, und blieb fünf oder sechsRegierungen hindurch noch ziemlich mächtig. Nach-dem dieses alte Königreich ungefähr sechzehnhundertJahre bestanden war, wurde es endlich durch die Kö-nige von Babel, und den Cyrus geschwächt, und Cam-byses, derjUnsinnigste unter allen Prinzen, bemächtigtesich desselben.

Diejenigen, welche die Gemüthsart der Aegypterge- Scrzb. 1.17.kannt haben, sind alle der Meynung, daß sie kein streit-bares Volk gewesen; sie haben die Ursachen davon gese-hen. Es hatte dreizehnhundert Jahre stets im Frie-de zugebracht, als es von seinem ersten Eroberer, demSesostriS, beherrscht wurde. So sorgfältig Aegy-pten auch eine eigne Kriegsmacht unterhalten hatte, sosehen wir doch, daß am Ende fremde Kriegsvölkerseine größte Macht ausmachten, welches der größteFehler eines Staates ist. Allein die menschlichenDinge sind niemals ganz vollkommen, und es istschwer, die Künste des Friedens, und die Vortheiledes Krieges in einer gleichen Vollkommenheit zu be-sitzen. Unterdessen sind sechzehn Jahrhunderte eineschöne Dauer eines Reiches. Binnen dieser Zeit ha- -ben einige äthiopische Könige, unter andern Saba-con, und wie man dafürhält, auch Taraca in Thebenregiert. Allein Aegypten hatte von der vortrefflichenEinrichtung seines Staates den Vortheil, daß dieFremden, welche sich dasselbe unterwürfig machten,mehr seine Sitten annahmen, als die ihrigen einführ-

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