Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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498
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498 Bischof Bossuets Einleitung

sie gewesen, der die ägyptischen Sitten, nach seinenSiegen, aus Furcht für Rebellionen weichlicher ge,macht habe Wenn man dieses glauben muß, sokann solches aus keiner andern Ursache, als aus Vor-sorge für seine Nachfolger, geschehen seyn. Da er soweise und unumschränkt herrschte, so sieht man nicht,was er von Unterthanen befürchten konnte, die ihn an-beteten. Im übrigen ist dieser Gedanke eines sogroßen Prinzen unwürdig, und das hieß sehr schlechtfür die Sicherheit seiner Eroberungen sorgen, daß erden Muth seiner Unterthanen verminderte. Es istauch wahr, daß dieses große Reich nicht lange be-stund. Es mußte auf eine oder die andre Art unter-gehen. Die Uneinigkeit bemächtigte sich der Aegy-pten. Unter dem Anisis, dem Blinden, fiel E abacon,''der König der Aethiopier, in Aegypten ein; er begegne-te den Aegyptern wohl, und that daselbst eben so großeDinge, als die einyebohrnen Könige des Landes. Nie-mals hat man ein Beyspiel der Mäßigung gesehen,das der seinigen gleichkäme; nach einer funfzigjähri-gen glücklichen Regierung kehrte er nach Aethiopien zurück, aus Gehorsam gegen einige Erinnerungen,die er für göttlich hielt. Dieses verlaßne Königreichsiel in die Hände des Setho, eines Priesters des Vul-kans , eines Prinzen, der seiner Mode nach fromm,aber nicht sonderlich kriegerisch war; er entkräftete dasKriegswesen völlig, indem er den Soldaten übel be-gegnete. Nunmehr war eine Zeitlang in Aegypten kei-ne ordentliche Regierung. Hierauf herrschten zwölfvon dem Volke erwählte Könige, welche die Herr-schaft über das Reich unter einander theilten. Siesind es, welche die zwölf Pallaste gebaut haben, die

das

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