556 Bischof Vossuets Einleitung
lauter Bürgern / da es hingegen in Carthago zu einemGrundsätze geworden war, keine andern, als fremdeVölker, zu Soldaten zu haben, die sehr oft für diejeni-gen, welche sie befahlen, eben so sehr zu fürchten sind,als für diejenigen, wider welche sie gebraucht wer-den.
Dieser Fehler kam zum Theil von der ersten Ein-richtung der Republik Carthago her, zum Theil hat-ten sie sich mit der Zeit eingeschlichen. CarthagoHat-te die Reichthümer bestandig geliebt, und Aristoteles beschuldigt sie einer so heftigen Neigung zum Gelde,daß sie ihren Bürgern Gelegenheit gegeben, sienoch der Tapferkeit vorzuziehen. Dadurch hat end-lich eine Republik , die ganz zum Kriege gemacht war,die Kriegsübungen verabsäumt, wie eben dieser Phi-losoph anmerkt. Er tadelt sie nicht, daß sie nur eitelfremde Völker in ihren Diensten hatte, und es istglaubwürdig, daß sie erst lange Zeit hernach in diesenFehler gefallen ist. Allein dazu bringen gemeiniglichdie Reichthümer eine kaufmännische Republik; manwill seine Schahs genießen, und glaubt in seinenReichthümern alles zu finden. Carthago hielt sich fürmächtig, weites viel Soldaten hatte, und hatte ausso vielen Empörungen, die es in den leßtern Zeitengesehen, nicht lernen können, daß nichts so unglücklichist, als ein Staat, der sich nur durch Fremde erhalt,bey welchen er weder Eifer, noch Sicherheit, nochGehorsam genug findet.
Es ist wahr, Hannibals großer Geist schien allendiesen Fehlern seiner Republik abgeholfen zu haben.Man sieht es, als ein Wunder an , daß seine Armee,die aus ganz verschiednen Völkern bestund, in einemfremden Lande, sich ganzer sechzehn Jahre hindurch,
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