Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
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558
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558 Bischof Bossuets Emleitüng

chen sollte, und verlangten nichts mehr, als erstlich ih-re Nachbarcn, und heruach die ganze Welt ihren Ge-setzen unterwürfig zu machen.

Diesen Endzweck zu erreichen, wußten sie das Ge-heimniß , sich ihre Bundesgenossen zu erhalten, sie untereinander zu vereinigen, unter ihren Feinden Mishel-ligkeit und Neid zu erwecken, ihre Anschläge zu erfor-schen, ihre heimlichen Verständnisse zu entdecken, undihren Unternehmungen zuvorzukommen.

Sie beobachteten nicht allein das Vorhaben ihrerFeinde, sondern auch alle Progresscn ihrer Nachba-ren ; sie befleißigten sich vornehmlich, die Machte, dieihnen zu furchtbar wurden, oder ihre Eroberungen all-zusehr hinderten, zu theilen, oder ihnen auf eine andreWeise das Gegengewicht zu halten.

Die Griechen hatten also zu den Zeiten des Poly-bius Unrecht, wenn sie sich einbildeten, daß Rom mehrdurch sein Glück, als durch seine Aufführung großwürde. Sie waren für ihre Nation allzusehr einge-nommen, und beneideten die Völker allzusehr, die sieihr Haupt erheben sahen; oder vielleicht schrieben sie,wie Menschen zu thun gewohnt sind , die Wirkungendem Zufalle zu, deren Ursachen ihnen unbekannt wa-ren, weil sie das römische Reich von fern so geschwindzunehnum sahen, ohnein die Rathschlage zu dringen,die diesen großen Körper in Bewegung setzten. AlleinPolybius, der wegen seiner genauen Freundschaft mitden Römern so weit in die Geheimnisse ihres Staa-tes eindrang, und die römische Staatskunst währendden plinischen Kriegen so nahe beobachtete, ist billigerals die andern Griechen gewesen, und hat eingesehen,daß Roms Eroberlingen Folgen wohl eingerichteterAbsichten waren. Denn er sah, daß die Römer ihre