56^ Bischof Bossuets Einleitung
art der Könige. Der Senat sollte ihm wohl Rathfchlä-ge geben, aber er sollte es nicht zwingen. Alles was ihmallzu herrschsüchtig vorkam, was sich über die andernerhob, mit einem Worte, was der Gleichheit, die ineinem freyen Staate erfodert wird, beleidigte, oderzu beleidigen schien, alles das kam diesem so zärtli-chen Volke verdachtig vor. Die Liebe zur Freyheit,die Begierde nach Ehre und Eroberungen, machten,daß diese Gemüther schwer zu lenken waren, und dieKühnheit, mit welcher sie von außen alles unternah-men, mußte nothwendig einmal innerliche Zwistigkei-ten erwecken.
Es entstund also in Rom , das so sehr auf seineFreyheit hielt, durch eben diese Liebe zur Freyheit dieZwietracht in allen Ständen, woraus die Republikbestund. Daher kam der wütende Neid zwischen demSenate und dem Volke, den Plcbejen und Patricken;diese führten beständig zu ihrer Rechtfertigung «m, daßeine ungebundne Freyheit sich endlich selbst zerstört,und die andern befürchteten im Gegentheile, daß dasAnsehen, das seiner Natur nach beständig zunimmt,sich endlich in Tyrannen verwandeln möchte.
Unter diesen beyden Ausschweifungen konnte einsonst so weises Volk das Mittel nicht treffen. DerEigennutzen, der auf der einen oder andern Seite Ur-sache ist, daß man selbst dasjenige, was man zum ge-meinen Besten angefangen hat, weiter treibt, als mansollte, dieser Eigennützen, sage ich, ließ nicht zu, daßman bey gemäßigten Rathschlägen blieb. Die hoch-mütigen Geister, die ihr Vergnügen daran fanden,wenn sie alles in Bewegung setzen konnten, erweckten
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