Teil eines Werkes 
[Theil 1] (1748) Discours sur l'histoire universelle <dt.>
Entstehung
Seite
567
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in die allgemeine Geschichte. 567

worden. Man wählte aus den Patricien die Mitglie-der des Senates. Den Patricien gehörten alle Aem-ter, Befehlhaberstellen, die Würden, und selbst dasPriesterthum zu, und die Aeltesten, oder Väter, wel-che die Urheber der Freyheit gewesen waren, gabenihre Vorzüge niemals auf. Allein der Neid regtesich gar bald unter diesen beyden Abtheilungen. Ichhabe hier nicht nöthig von den römischen Rittern zureden, von dieser dritten Abtheilung,die zwischen den Pa-tricien und dem gemeinen Volke das Mittel war, undsich bald auf diese, bald auf jene Seite schlug. Unterdiesen beyden Abtheilungen, sage ich,regte sich der Neid;er wurde bey verschiednen Gelegenheiten crweckt,alleinseine vornehmste und verborgne Ursache war die Liebezur Freyheit. -

Die Grundseule der Republik war diese, daß mandie Freyheit als etwas ansah, das von dem römischenNamen unzertrennlich wäre. Ein Volk, das in diesenGedanken erzogen war, ich will noch mehr sagen, ein'Volk, das gebohren zu seyn glaubte, über andre Völ-ker zu herrschen, und das Virgil daher auf eine so ed-le Weise ein königliches Volk nennt, wollte keinenKönig, als von sich selbst annehmen.

Das Ansehen des Senates wurde zur Ordnung deröffentlichen Berathschlagungcn für nothwendig gehal-ten, die ohne ihn allzuunruhig und unordentlich gewesenseyn würden.Allein imGrundc hatte dasVolk dieMacht,Befehle zu ertheilen, Gesetze zu geben, und Krieg undFrieden zu beschließen. Ein Volk, das den Gebrauchder wesentlichsten Rechte der königlichen Würde hatte,besaß auf eine gewisse Art etwas von der Gemüths-

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