566 Bischof Bossuets Einleitung
und Weisen hat sie nach einerley Gründen erklart; al-le Völker, und selbst die Rauhsten unter ihnen sahen siemit Bewunderung an, und darum waren die Römervornehmlich werth, Herren des Erdkreises zu seyn.Wenn im übrigen die römischen Gesetze für so ehrwür-dig geachtet worden sind, daß ihr majestätisches An-sehen noch besteht, obgleich das Reich selbst unterge-gangen ist: So ist dieses darum geschehen, weil dieVernunft, die Regiererinn des menschlichen Gebens,überall darinnen herrscht, und weil man nirgends eineschönere Anwendung von den Grundsaßen der natür-lichen Billigkeit findet, als in ihnen.
Ungeachtet derGrößedeö römischen Namens, unge-achtet der riefen Politik und der schönen Einrichtungendieser berühmtenRepublik,hatte sie doch mitten in ihremSchooße die Ursache ihres Ruins in der beständigen Ei-fersucht des Volkes gegen den Senat, oder der piebejenund pacncicn. Romulus hatte diesen Unterschied einge-vion.n-i. führt. Die Könige mußten Personen haben, die sievon andern unterschieden, die sie durch besondre Bandemit sich verknüpften, und durch die sie den übrigenTheil des Volkes regierten. Dazu erwählte Ro-mulus die Aeltesten, aus welchen er die Versamm-lung des Senates errichtete. Man nennte siewegen ihrer Würde und ihres Alters also, und von ih-nen sind hernach die Patricienfamilien entsprungen.Im übrigen mochte Romulus dem Volke »och so vielAnsehen vorbehalten haben, so hatte er die Familiendesselben doch in verschicdnen Dingen von den Pa-tricien abhangig gemacht, und diese Abhängigkeit ei-ner Familie von der andern/ die zur königlichen Re-gierung nothwendig war, war nicht allein unter denKönige»/ sondern auch in der Republik beybehalten
worden.