Abhandlungen. 597
die Wahrheit beschützte, und gefährlich, wenn sie denIrrthum vertheidigte. Sie wurde um so viel gefähr-licher, ie redlicher und aufrichtiger er entweder mit denMenschen umgieng, oder umgehen wollte. Ueberallschien seine Menschenliebe, und sein Eifer, dieGlück-seligkeit aller Menschen zu befördern, das Wort zuführen. Man sagt, daß das menschliche Herz uner-forschlich ist; wie schwer wird man also den wahrenCharakter eines Herzens bestimmen können, das vorso vielen andern erhoben war! Wenn die Tugend nichtseine vornehmste Leidenschaft gewesen seyn sollte, so istdoch gewiß, daß er seinen andern Leidenschaften eineben so schönes Ansehen, als den Vorurtheilen fürseine Kirche und Würde gegeben hat.
Dieses wird mich genug rechtfertigen, wenn ichmich alles anzuzeigen bemühe, was in seiner gegen-wärtigen Einleitung in die Geschichte ungegründeteMeynungen sind, und doch in seinem VortrageWahrheiten zu seyn scheinen. Seine Schrift kann ei-nen so großen Nutzen schaffen, daß sie werth ist, all-gemeiner gemacht zu werden, und der Schade, dendie irrigen eingestreuten Meynungen seiner Kirche stif-ten können, ist diesem Nutzen allzusehr zuwider, alsdaß sie nicht bemerkt werden sollten. Meine Anmer-kungen werden den Vorzug der Neuheit nicht haben; al-lein ich habe geglaubt, daß es den Lesern angenehmseyn würde, wenn ich ihnen die Mühe ersparte, sie inden Schriften eines Richers, Cajsadms, Epan-heims, Du Pins, Vasnageund andern Werken zu-sammen zu suchen.
Es ist bekannt, daß die AnHanger der römischenKirche keine von ihren Lehren, womit sie sich von denProtestanten unterscheiden, mehr zu vertheidigen su-chen, als die Lehre von dem Anseheil und der monar-
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