598 Anhang einiger Hisiovisch-critischen
chischm Gewalt des römischen Bischofes über die Kir-che Gottes. Die Nothwendigkeit zwingt sie da-zu, weil sie zu den meisten von ihren andern Mey-nungen keinen andern Zeugen haben, als ihn, zu ge-schweige«,/ daß sie allzueinträglich ist, als daß mansie aus bloßer Liebe zur Wahrheit aufgeben sollte. Denndiese Lehre ist cS, die so viele Nepoten der Pabste be-reichert , so vielen Cardinalen Palläsie und Lustschlös-ser gebaut, so viele Bischöfe zu Fürsten gemacht, soviele Gebeine der Heiligen und Heiden verkauft, undso viele müßige Mönche ernährt hat. Wenn manwissen will, wie weit sich die Lehre von der monarchi-schen Gewalt des römischen Bischofes über die Kircheerstreckt, so darf man sich nur erinnern, was Bellar-minuS gesagt hat, daß die ganze Christenheit verbundenwäre, zu irren, wenn ihr Oberhaupt in Irrthümerfallen sollte. Es gehören zwar starke Beweise zu die-ser Lehre; doch so lange man die Menschen noch mitGewalt, oder mit Versprechungen und Belohnungenüberzeugen kann, was hat man nöthig, sich zu beküm-mern, ob die Gründe die stärksten sind, oder nicht?
Unterdessen muß man den Vekennern der römi-schen Lehren die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daßsie sich zum wenigsten Mühe gegeben haben, zu bewei-sen. Sie haben die allgemeine Hoheit ihres Bischo-fes in der Schrift finden wollen, und angenommen,daß sie in der Person des Apostels Petri , welchen siezum ersten Bischöfe in Rom erklären, allen seinenNachfolgern ertheilt worden sey. Es ist hier der Ottnicht, diese Beweise zu untersuchen. Die Vertheidi-ger dieser Monarchie in der Kirche haben die Schwacheihrer Gründe aus der Schrift selbst empfunden, undaus der Ursache ihre Zuflucht zu der Geschichte genom-men, und daraus beweisen wollen, daß den römischen