Abhandlungen. 6zi
Wie Nestorius die Naturen in Christo getrennt undzwo Personen geglaubt hatte, so vermengte er beydeNaturen in Christo, und behauptete, daß er nach sei-ner Menschwerdung nur eine Natur halte *. Fiavia-nus, der Patriarch von Constantinopel, widersetzte sichdiesem neuen Irrthume, er berief seine Bischöfe, undEutyches wurde von der Gemeinschaft der Kirche auege-schlossen, als er seinen Irrthum nicht fahren lassen woll-te. Er hatte an dem Hofe des Kaisers Freunde, undbat also um eine allgemeine Kirchenvcrsammlung.Das war schon eine Beleidigung der päbstlichen Ho-heit, oder ein Beweis, daß man den römischen Bi-schof nicht für den obersten und unfehlbaren Rich-ter zdes Glaubens hielt. Leo, welcher dazumal nachder Gottesgelahrheit der römischen Kirche dieserunfehlbare Richter seyn sollte, bat den Kaiser, daß erdie allgemeine Kirchenvcrsammlung in Italien berufenmöchte, damit die abendländischen Bischöfe zugegenseyn könnten. Der Kaiser hatte keine Achtung gegendiese demüthigen Bitten, und berief die Bischöfe zuEphesus . Er gab dem Dioscorus, dem Bischöfe vonAlerandrien, einem heimlichen Freunde des Eutyches,den Vorsitz, und Dioscorus sagte solches selbst den Lega-ten des Pabstes. Obgleich hernach diese Legaten bey derchalcedonensischen Versammlung viele Klagen wider ihnführten, so verklagten sie ihn doch darum nicht, daß er sichdes Vorsitzes angemaßt hätte, wie in der lateinischenÜbersetzung der Acten steht, sondern weil er, wie es imGriechischen heißt, alles aus eigner Macht unternommenhatte Es gieng bey dieser Versammlung allesgewaltsam zu; Eutyches wurde für rechtgläubig er-
R r 4 klart;* VlxU. Klarcyr. Udr. II. contr. Luryckl. c 7.
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