Abhandlungen. 66z
Reiches, sondern vornehmlich auch wegen der unglück-lichen Veränderungen, welche die Religion leidenmußte, merkwürdig. Das ganze Reich wurde mitfremden Völkern, wie mit einer Sündflut über-schwemmt, und die Kirche, die schon von rausendKeßereyen zerrüttet wurde, noch dazu mit einem fastallgemeinen Aberglauben überfallen. Die Änderungeines einzigen Gottes schien der Welt noch allzuneuzu seyn, als daß sie sich vollkommen daran gewöhnenkonnte, und man fing an, die Märtyrer fast eben soabgottisch zu verehren, als die Heiden ihre heiligenSchatten und vergötterten Helden verehrt hatten. Die-ser Aberglaube nahm mit eiuer unglaublichen Ge-schwindigkeit überHand. Die Bischöfe, die Prie-ster, die Mönche, welchen schon mehr an Reichthü-mern und an einer äußerlichen Macht und Hoheit ge-legen war, als an der Wahrheit, fanden allzuvieleVortheile dabey, als daß sie ihn hätten unterdrückensollen. Unter den Heiden hatten alle Städte ihreSchutzgötter; da sie christlich geworden waren, ver-tauschten sie dieselben mit Heiligen und Engeln. Manhatte so viele Märtyrer, daß man fast den kleinstenFlecken Beschützer geben konnte, die ihre Vorsprecherbey Gott seyn sollten. Man baute ihnen Altare, mattwidmete ihnen Tempel, und feyerte ihnen zu EhrenFeste. Die alexandrinische Philosophie, welche sichim ganzen Oriente ausgebreitet hatte, und beynahe inallen Klöstern gelehrt wurde, bestärkte diesen Aber-glauben noch mehr. PorphyriuS, und Jamblichi-l>6 hatten gelehrt, daß die himmlischen Geister unsreMittler bey Gott waren, und rechtfertigten dadurch dieAbgöttereyen der Heiden. Sollten diese Irrthümersich nicht nach und nach in die Lehren der Religion ein-Tt 4 gemischt