Abhandlungen. 685
heit bringen muß. Denn wir können eine ununter-brochne Folge von Bischöfen aufeinander bis aus Chri-stum zurückführen; allen andern Kirchen fehlt diesc6Siegel der Wahrheit. Darauf wird er ihm, um sich dieMühe der Beweise zu ersparen, den Verlust seiner Se-ligkeit vorstellen, den er zu befürchten habe, wenn er sichnicht unter die Herrschaft der Kirche demüthigen will.Er muß also schon Gründe suchen, das AnsehenseinerKirche zu beweisen. Äu't welchem Rechte kann alsonicht ein Ungläubiger Beweise für Wahrheiten fodcrn,die so wichtig sind, daß sie sein ewiges Schicksal be-stimmen? Er wird es auf menschliche Zeugnisse nichtwagen, selig oder verdammt zu werden. Ein evan-gelischer Lehrer kennt die Stärke der Wahrheit undweis, daß sie sich vor keiner Untersuchung scheuen darf,und daß sie nur desto herrlicher erscheint, je sirengersie untersucht worden ist. Er wird zu den Ungläubi-gen sagen: diese Lehren halten wir für Lehren, dieGott geoffenbart hat; dieses sind die Kennzeichen ih-rer Göttlichkeit; das sind eure Zweifel und ihre Auf-lösungen ; seyd unpartheyisch, seyd ohne Vorurtheils undLeidenschaften; glaubt die Wahrheiten nicht, weil sievon den Menschen dafür ausgegeben werden; unter-sucht sie mit aller Strenge und Freyheit, aber ohneStolz und ohne ein eitles Vertrauen auf euch selbst,und bittet den Gott, den ihr noch nicht kennt, und denihr zu kennen wünscht, daß er eure Augen aus-schließen möge. Man braucht die Natur des Men-schen nur ein wenig zu kennen, um einzusehen, daß dieArt der evangelischen Lehrer, die Welt zu unterrichten,allein geschickt ist, die Feinde der Religion zum Still-schweigen zu bringen. Die Erfahrung bezeugt sol-ches» Würde der Freygeist, der vor nicht langer Zeir
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