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so wie sich der menschliche Wille nur durch das Gute oderdurch den Schein des Guten bewegen läßt. Wenn esalso der Ernst Gottes ist/ daß die Menschen die Wahr-heit erkennen sollen, so muß er in sie selbst eine Starkegelegt haben, vor der alle Ungewißheit und Zweifelverschwinden müssen. Es ist nunmehr die Frage leichtzu entscheiden, wer Gott in seinen Wahrheiten mehrehrt, diejenigen, welche erst Zeugnisse der Menschenhaben wollen, ehe sie sie für göttlich halten, oder die-jenigen, welche überzeugt sind, daß sie ein unpartheyi-schrs Gemüth überwinden können/ und wenn alleMenschen wider sie zeugten.
Ein römischer Gotteögelehrter wird einem Heiden,einem Mahomctaner, einem Freygciste und Zweiflerdiese Freyheit, die Wahrheiten der Religion zu untersu-chen, lassen müssen, wenn er ihn so weit zu bringcnwünscht, daß er sie ^kennen und ehren soll.Mail sage zu einem von diesen Ungläubigen: manmuß dieses oder jenes für wahr halten; denn dieKirche befiehlt es zu glauben, und ihrem Ansehen mußman sich unterwerfen. Wie soll er der Kirche seinUrtheil unterwerfen, da er die Kirche noch nicht kennt?Was ist die Kirche, wird er sagen? Wo ist sie? Istsie eine Versammlung der wahren Gläubigen? Wersind diewahren Glaubigen? Warum machen diese oderjene Anspruch auf diesen Namen ? Ist die Kirche im Ori-ente, oder im Occidente ? Ich sehe tausend Gesellschaften,die alle in ihren Meynungen weit von einander abwei-chen, und sich darum hassen und verfolgen, und alle dieseGesellschaften nennen sich die wahreKirche. Wo sollich sie finden? Der Katholik wird zu ihm sagen:unsre Kirche ist allein diejenige, die den ungewissenVerstand der Menschen gewiß machen und zur Wahr-