Abhandlungen. 637
entzog, überführt uns davon. Brannte nicht, sag-ten sie, unser Herz in uns, da er mit uns redereauf dem lVege, als er uns die Schrift offnere?Warum wollen mir mit den Menschen anders umge-hen, als Christus selbst und seine Jünger mit ihnenumgegangen sind, die alle ihre Gemeinen ermähnen,was ihnen gepredigt wird, nach der heiligen Schriftzu untersuchen?
Es ist also unstreitig, daß die Kirche das Ansehennicht hat, einen ungewissen Verstand, welcher das Gau-kelspiel seiner Vernunftschlüsse geworden ist, gewiß zumachen und aus seinen Zweifeln zu reißen. Ihr An-sehen wird nur übertrage und leichtgläubige Geister ei-ne solche Gewalt haben, daß sie Wahrheiten glauben,ohne sie zu untersuchen. Diese blinde Unterwür-figkeit, heißt es in einer Schrift wider den Herrn Ar-naud, einen berühmten Vertheidiger des Ansehens derrömischen Kirche, wo man seinem eignen Ver-stände entsagt, um sich auf die Einsicht einerGesellschaft zu verlassen, die man die Rirchenennt, scheint ganz für die Trägheit des mensch-lichen Verstandes gemacht zu seyn. Er liebt dieRuhe, er haßt die Arbeit, die Untersuchung derLehren schreckt ihn, u. er sieht es sehr gern, wenner jemanden findet, auf dessen Schultern er sichwerfen kann, um ohne Mühe in die Wohnun-gen der Seligkeit gerragen zu werden. DieseNeigung des menschlichen Herzens ist es, wel-che diesem Blendwerke noch ein Ansehen giebt»Es giebt mehr Menschen, die, wenn es aufih-re Seligkeit ankömmt, trage und nachlaßigsind, als arbeitsame und sorgfaltige, welchevon dem N?ege Gewißheit haben wollen, auf
dem