der Welt, Erster Abschnitt. 25
eigenen Vortheile, weil sie sahen, daß sie Lothar auch Jahr nachbald unterdrücken würde, wenn er erst seinen Vatervöllig unterdrückt hätte, als von ihrer kindlichenPflicht angetrieben, gaben den bittenden Vorstellun-gen der Großen nach, und ließen sich so tief herab,daß sie für ihren Vater gewonnen wurden. Lothar 8Z4sah sich von ihnen gezwungen, ihn loszulassen, undendlich sich ihm zu unterwerfen. Ludwig aber trieb -seine abergläubische Gewissenhaftigkeit soweit, daßer sich einer Gewalt, die ihm kein Aufruhr entziehenkonnte, nicht eher wieder bedienen wollte, als bisihm die Bischöfe, welche ihm durch ein unrechtmä-ßiges Urtheil seinen Scepter genommen hatten, durcheinen gerechten Ausspruch dasselbe wiedergeben, undsich also selbst, aber ohne Absicht, als Aufrührer an-geklagt hatten. Es geschah, und er wurde zum drit-lenmale Kaiser.
Ungeachtet er aber keine Rache übte: So schienes doch einmal das Verhangniß dieses so leicht ver-söhnlichen Kaisers zu seyn, daß er niemals das Glückeiner ruhigen Regierung genießen sollte. Die Ein-fälle der Normannen, welche das Reich bey seineninnerlichen Verwirrungen an den Seeküsten verheer-ten und ausplünderten; die Staatslisten seiner Ge-mahlinn Judith, welche bald Ludwigen, bald Lo-thar , ckald Pipinen, bey dem Kaiser, entweder ver-haßt machte, oder begünstigte, nachdem sie glaubte,daß für ihren Sohn ein Vortheil daraus erwüchse;die Unruhen, die aus diesen verschiedenen Uneinig-keiten entstanden; Pipins Tod; die unbillige Thei-lung seiner Länder zwischen Carln und Lotharn,bey welcher jenes noch unwürdigen Söhne, Pipin-und Cml, ganj Übergängen wurden; das Misver-
B 5 gnügen