Zweyter Abschnitt. 299
stisch. Diese falsche Weisheit hörte noch in demdritten Jahrhunderte des Christenthums nicht auf,eine fruchtbare Quelle irriger Lehrbegriffe zu seyn, un-geachtet sie an der jungem platonischen Philosophieeine heftige Widersacherinn erhielt. Denn ein plo-tinus kündigte den Gnostikern den Krieg an, undder Ruhm der neuen alerandrinischcn Weisheit, wel-che der morgenlandischen ihren vornehmsten Grund-sah , nämlich den Irrthum, daß alles aus Gottausflösse, entwendet hatte, erfülletc fast den ganzenErdkreis. Und dennoch gab es noch sehr zahlreicheGemeinen von Valeminianern, Marcionircn,Ophicen, iLnkrariren, und andern Gnostikern,welche die christliche Religion nach ihren vorgefaß-ten Irrthümern crklareten. Es entstunden selbst ei-nige neue gnostische Parteyen. Denn man behauptetnicht ohne Grund, daß die tAcesairen, Arabia-ner, Valesianer, und Hieraciten ihre Irrthü-mer aus der morgenländischen Weisheit geschöpfethaben. Jedoch alle diese Secten, von denen viel-leicht einige ihr Daseyn bloß von einem falschen Ge-rüchte erhalten haben, machten wenig Aufsehen. De-sto berühmter wurde die Secte der Manichäer, diedas System der alten Perser von zwey gleich ewigeneinander widerwärtigen Grundwesen erneuerte, eineLehre, welche Zoroaster und seine Nachkommen, dieGnostiker, in einen feinern Unsinn aufzulösen undso vorzutragen gesuchet hatten, daß sie wenigerSchwierigkeiten zu haben schien. Aber auch die aler-cmdrinische Philosophie war nicht ganz unfruchtbar.Die ^oetianer, Sadellianer und Samosare-nianer, bcstritten einige Grundwahrheiten der christ-lichen Religion. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die