Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
482
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482 Geschichte der christlichen Religion.

Allein die unerhörten Trübsalen, welche beständig aufdie Bekenner Jesu Christi warteten, lehretcn deutlichgcnug, daß man bloß um Gottes willen eine Religionannehmen müßte, welche einen Menschen verächtlichund verhaßt machte, lind den grausamsten Leiden undGefahren aussetzte. Diese Religion annehmen, undallen Annehmlichkeiten und Ehren des Lebens entsagen,dazu gehörte ein Entschluß. Die Verfolgungen be-wahrten die neugepflanzte Kirche, so wohl vor Heuch-lern, als vor lasterhaften Mitgliedern. Die gnosii-schen Sccten waren ein deutlicher Beweis davon.Sie rühmten sich einer viel größern Erkenntniß undWeisheit. Ihre Weisheit aber brauchte fast keineandere Widerlegung, als die Verfolgungen. Siehielt dieses Feuer nicht aus; darum war sie kein Gold.Wenn die Rechtgläubigen die Irrgläubigen zu schän-den machen wollten : so fragten sie nur nach ihrenMärtyrern. Denn die meisten irrgläubigen Scctenerlaubten den Abfall in Verfolgungen, da es hinge-gen ein Grundsatz bey den wahren Christen war, daßman aufhörcte, ein Christ zu seyn, wenn man denMuth nicht besaß, seinen Glauben mit dem Verlustefeines Lebens zu behaupten.

Die Lobsprüche, welche den ersten Christen erthei-let werden, sind in der That nicht übertrieben, ob mansich gleich betrügen würde, wenn man alle Mitglie-der der ersten Kirche ohne Ausnahme für Heilige vomersten Range erklären wollte. Man kann aber mitRecht behaupten , daß sich die göttliche Gnade unterden Christen niemals in einem größern Maaße geäus-sert habe, als zur Zeit der Verfolgungen. Sie wur-den durch dieselben in einer beständigen Demuth undErniedrigung ihrer selbst erhalten. Sie ermähnten

ein-