Zweyter Abschnitt. 48»
daß sie unmöglich die lasier und Ausschweifungen be-gehen könnten , deren man sie beschuldigte. Dennwie kann doch ein Mensch, der nur aufWollüste den-ket, der bloß die Ueppigkeit liebet, und ein Vergnü-gen daran findet, Menschenfleisch zu essen, den Tsdmit Freuden aushalten, der ihn alles dessen beraubet,was ihn in der Welt glückselig und vergnügt machet?Sollte ein solcher Mmsch nicht vielmehr alles zurVerlängerung seines Lebens unternehmen, da seineganze Glückseligkeit darauf beruhet ? Sollte er sichnicht vielmehr vor den Obrigkeiten verbergen, als sozu sagen selbst sein Anklager und Henker werden?Sind diese Betrachtungen nicht stark genug, einenFreund der Wahrheit von der Göttlichkeit einer Lehrezu überzeugen, für welche viele rechtschaffene Men-schen ihr Leben lassen: so beweisen sie doch ihre Un-schuld und Müssen ihn, zu dieser Ueberzeugung vorbe-reiten, und ihn bewegen, eine ernstliche und aufrichti-ge Untersuchung derselben anzustellen. Die Verfol-gungen der Christen hatten also den Nußen für dieReligion, daß sie schneller unter den Heiden ausge-breitet wurde.
Es ist offenbar, daß sie viel zur Besserung derChristen selbst beytrugen. Die ersten Christen warmgebohrne Jüden. Man weiß, daß die Juden einenirdischen Meßias erwarteten. Wie schwer sindMenschen von tief eingewurzelten Vorurtheilen los zu-reißen! Wenn sich die neugepflanzten Gemeinen einesbestandigen Ruhestandes zu erfreuen gehabt hatten:wie leicht konnten sie das Christenthum aus irdischenAbsichten und in der Hoffnung einer weltlichen Glück-seligkeit annehmen. Wie leicht hätte der Endzweckdieser heiligen Religion verkehret werden können !II. Theil. H h Allein