Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
480
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48o Geschichte der christlichen Religion.

ihre Starke kennen lernen , und man läßt sich wohlvon denen selbst unterrichten, welche eine solche neueReligion lehren , die einen allgemeinen Widerstandfindet. So muß Gott die Menschen oft durch ebendie Leidenschaften zum Guten zurück lenken, durch wel-che sie davon abgeführet worden waren! Das Mitleidvereiniget sich mit der Neubegierde. Man sieht daßMenschen hingerichtet werden, die man keines andernVerbrechens überführen kann, als daß sie Christenheißen. Sie enthalten sich nicht allein der Verbre-chen, die durch öffentliche Gesetze verboten sind, undvon vernünftigen Heiden selbst für Laster erklaret wenden, sondern man sieht sie so gar die erhabensten Tu-genden ausüben. Es ist wahr , sie sind keine Dcmosthene und Cicerone; aber sie sind doch nicht wahn-witzig. Sie gehen dem Tode standhaft, aber dochnicht voller Verzweisiung entgegen. Diesen Muthbemerket man an so vielen Personen von so verschiede-nen Charakteren, Altern, Standen und Tempera-menten. Noch ist kein Philosoph aufgestanden, des-sen Lehre ähnliche Schicksale erfahren hätte. BilligeHeiden, die nur einige Gewalt über erlernte oder er-erbte Vorurtheile hatten , und menschlich gesinnet wa-ren , mußten solche Anmerkungen machen. Mandarf nicht daran zweifeln, daß sie gemacht wordensind. Justin, der Märtyrer wurde besondersdurch diese Betrachtungen bewogen, das Christen-6/>. -. thum anzunehmen. Ich war, sagte er von sich selbst,vordem der platonischen Philosophie ergeben, und ichwußte die Verbrechen, deren man die Christen zu be-schuldigen pflegte. Allein als ich erwog, wie wenigsie sich vor den? Tode, und überhaupt vor allem dementsetzten, was schrecklich seyn mag: so sahe ich ein,