Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
479
Einzelbild herunterladen
 

Zweyter Abschnitt. 479

fruchtbar gemachet werden sollte. Gott erhielt mehrals eine Absicht durch die Zulassung derselben. DieStürme des Wintere sind von einem so großen Nu-tzen, als die stille Wärme des Frühlings.

Die Verfolger der Christen wollten durch ihre Ge-waltthätigkeiten gegen sie, die Ausbreitung ihrer Re-ligion hindern. Sie betrogen sich; sie waren nur einMittel, dieselbe mehr zu befördern. Man muß diegöttliche Lehre des Evangelii kennen; man muß sieuntersucht und geprüfet haben, wenn sie aufunser Herzwirken soll. Unterdeß hatten die göttlichen Schriften,des alten und des neuen Bundes diejenigen Rci-zungen nicht, welche den damaligen verwöhntenund lüsternen Geschmack der Heiden vergnügen konn-ten. Man verlangte von dem, der sie aufmerksammachen sollte, eine gewisse falsche und schimmerndeBeredsamkeit, welche weder die Schriften der Offen-barung, noch ihre ersten Prediger, besaßen. Man sahevielmehr die Juden für Barbaren an, und da mandie jüdische Religion unter den Griechen und Römernverachtete: was konnte die christliche hoffen, da siesich auf jene bezog und gründete ? Ihre Lehren habeneine so göttliche Kraft, daß sie sich gewiß auch ohneVerfolgung weit würden ausgebreitet haben; aber eswürde nicht so schnell damit zugegangen seyn, weildiemenschliche Unachtsamkeit und Trägheit eines vonden allergrößten Hindernissen ist, die sie zu überwin-den haben. Alle Gewaltthätigkeiten gegen eine jedeLehre, sie mag nun Wahrheit oder Irrthum seyn,wecken die Neugierigkeit der Menschen auf. Manwill wissen , was das für Meynungen sind, für wel-che ein Mensch sein Leben aufopfern kann ; man willdie Gründe, durch welche sie unterstützet werden, und

ihre

,