Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
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478 Geschichte der christlichen Religion.

die Heiden nicht vorschlich zur Verfolgung. Wennsich Trübsalen erhoben: so versuchten sie alle erlaubteMittel, sich zu retten-, und sie hielten es mehr fürVerwegenheit, als für Sündhaftigkeit, der Gefahrselbst und ungefodert entgegen zu gehen. Die Ursa-che war diese, daß die ersten Christen das Märtyrer-thum bloß für eine Schuldigkeit hielten, welcher mansich nicht entziehen durfte, wenn man seinen Erlöserverleugnen sollte. Die Christen vermehreten sich.VieK unter ihnen wurden kühner, als diejenigen ge-wesen waren, welche vor ihnen eine gleiche Bahn be-treten hatten. Man sahe, besonders in der letztenVerfolgung Christen, welche heidnische Tempel undAltare niederrissen. Man sahe andere ihren Henkernentgegen eilen, ohne von ihnen aufgesuchet zu werden;man sahe sie zu ihren Verfolgern hingehen und sagen,daß sie Christen wären, daß sie die verbotenen heili-gen Schriften besäßen, und sie dennoch nicht auslie-fern wollten. Dieser Eifer gieng zu weit; er warmehr menschlich, als göttlich. Man darf sich nichtdarüber wundern. Man hatte, wie man aus derfolgenden Betrachtung sehen wird, dem Märtyrer-thume so diele Lobsprüche ertheilet, daß dasselbe fürverdienstlich gehalten wurde. Wie leicht beredet sichder Mensch, für die Ehre Gottes allein zu leiden, daer zugleich für die seinige leidet! Aber wie sehr ist ei-ne solche Ehrbegierde zu entschuldigen! Und was istwahrscheinlicher, als daß die meisten übertriebenenEiferer unter diesen Bekennern mehr geirrct, als ge-sündiget haben?

Diese großen Verfolgungen zieleten zwar auf den völ-ligen Untergang der christlichen Religion. Gott aberwollte, daß sein Wort durch das Blut der Märtyrer

frucht-