Zweyter Abschnitt. 477
ausgegeben wurden/weil sie Wunderthaten verrichte-ten und zuweilen das Zukünftige vorher sagen konnten.Unter dem Valerian hingegen wurden sie hingerichtet,weil man sie für Feinde aller Zauberei) und aller Zei-chendeutungen , und zwar mit Recht hielt. Untereinem andern wurden sie den grausamsten Martern undTodesarten Preis gegeben, weil man sie beschuldigte,daß sie bey ihren heiligen Zusammenkünften kleineKinder umbrächten ; unter dem Valerianus hingegenwurden sie umgebracht, weil sie den Kindcrmord andenen verabscheueten, welche in ihren noch ungebilde-ten Eingeweiden den Schlüssel zur Zukunft zu findenHoffeten. Man sah tugendhafte Kaiser, welche diegrößten Ungerechtigkeiten gegen die Christen begehenließen; man sah eben so tugendhafte Kaiser, welchedie Verfolgung aufhoben. Es kam viel darauf an,was die Monarchen für eine philosophische Secte lieb-ten. Der Stoiker verfolgete die Christen; der Pla-toniker duldete sie. Das erste beweist Marcus Au-relius; das letzte Alexander. Einige Gesetze verbotendieAufsuchung der Christen, befahlen aber gleichwohlihren Tod, wenn sie überführet werden könnten, daßsie Christen wären. Da man sonst nur die Verbre-cher peiniget, sie zum Bekenntnisse ihrer Verbrechenzu zwingen: so quäleten die Heiden oft selbst unschuldigeHeiden, ihnen Außagen wider die Christen abzupressen.
Allein man kann auch bemerken, daß das Verhal-ten der Christen, in den ersten Verfolgungen von demVerhalten der Christen in den letztenDrangsalen einiger-maßen verschieden war. Die ersten Christen warenunerschrocken, wenn sie die christliche Religion mit ih-rem Blute versiegeln sollten. Allein sie waren vor^sichtig; sie vcrsammleten sich unbemerkt, und reizten
die