484 Geschichte der christlichen Religion.
Volk! Minmius antwortet ihm darauf: daß siean allen diesen Ergörzlichkeicen nicht Theilnähmen, weil sie nicht ohne Sünde daranTheil nehmen könnten. Die Mäßigkeit, ein sitt-samer Anzug, der Haß gegen alle übertriebene Pracht,das waren die Merkmaale, woran man Christen undChristinnen erkannte. Wie sehr eiferten nicht Ter-rullian und Cyprian wider die Ausschweifungen,welche einige Christen und besonders einige Christin-nen wider diese Tugenden zu ihren Zeiten begierige»!Und wie sorgfaltig waren die ersten Christen in derBewahrung ihrer Keuschheit! Mit welcher Strengebestrafte die Kirche die Ehebrecher! Zu welch eineröffentlichen Buße waren sie verdammet! Waren^e/,/.3. nicht unter andern Martern der Heiden, die christti-5-^- chen Jungfrauen zur Verleugnung ihres Glaubenszu bringen, auch Drohungen, sie schänden zu lassen ?Waren diese Zwangsmittel nicht zugleich Zeugnissefür den heiligen Wandel der Christen? Ihre Stmid-haftigkeit, Christum zu bekennen, ih^e Geduld unterden größten Martern, ihre Sanftmuth gegen ihregrausamsten Verfolger, waren so groß, daß sie selbstvon den Heiden bewundert wurden. Tertullian^.c.,. hielt ihnen solches öffentlich vor: Missethäter su-chen sich zu verbergen, und lassen sich nichtgern öffentlich sehen. VAmmc man sie gefan-gen, so zittern sie; klaget man sie an, so leugnen sie; bringt man sie auf die Folter, so ver>schweigen sie dennoch die lVahrheir sehr oft.So aber verhält sichs mit den Christen nicht.Reiner schämet sich ein Christ zu seyn; darübernur schämec sich ein jeder, daß er solches nichteher gewesen ist. Beschimpfet man ihn, so