5OO Geschichte der christlichen Religion.
Gleichwohl findet man in den drey ersten Jahrhundcr-ten kein einziges Zeugniß, daß die Christen einige Reli-quien von dem, was ihm angehören konnte, aufbehal-ten hatten. Wie nachläßig war doch die erste Kirchegegen die Kirche der spätern Jahrhunderte, und wienachläßig waren bis in das eilfte Jahrhundert auf denMarianus Gcotus alle Christen, daß sie das wun-^sM^cc/. derbare Schnupftuch nicht eher bekannt machten, in,. welches Christus, als er nach Golgatha gieng, sein Veraj>. ^scon oder sein wahres Ebenbild eingedrückt ha-ben sollte. In der That cm sehr wunderthätigcsSchnupftuch ! Denn es erzeugte eine Heilige, deren?.-?^-no. Fest den vierten Februar gefeyert wird, deren NameVeronica ist, und ihre Existenz bloß dem VeraIcon zu danken hat. Das ganze christliche Alter-thum weiß weder von diesem wundervollen Schnupf-tuche, noch ihrer Besitzerinn, der heiligen Veroni-L-»».N.ck ca etwas. Eben dieses muß man von der wunder-/^F///? baren Thräne Jesu Christi sagen, welche sich in der,.7/./oi?. Absey zu Vendome befinden, und von unserm Erlöserbey dem Grabe des Lazarus vergossen worden seyn soll.
Es ist vollkommen glaubwürdig, daß die erstenChristen eine vorzügliche Hochachtung und Liebe gegendie Aeltcrn Jesu Christi empfunden und bezeuget habenwerden. Allein wie groß muß nicht ihre Gleichgültig-keit gegen die Gebeine, die Graber und andere Reli-quien dieser Heiligen gewesen seyn! Niemand weiß inden drey ersten Jahrhunderten einmal ihre Graber;man glaubte noch, daß ihre Gebeine Gebeine wären,und betrachtete sie nicht als Heiligthümer, die einewunderthatige Kraft besaßen. Mai, sagt zwar, daßdie Jungfrau Maria zu Ephesus begraben sey. Alleindieses sagte erst die ephesinische Kirchenversammlung