Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
499
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Zweyter Abschnitt. 499

her glaubwürdig, daß es entweder daselbst verfaulet,oder, indem der Grund zu diesem heidnischen Tempelgeleget worden, ausgegraben und von den Heiden alsein unnützes Holz verbrannt worden sey.

Die ersten Christen hatten weder in ihrer Kirchennoch über den Grabern der Märtyrer Kreuze aufge-richtet. Meliro, wenn man der Erzählung einest/. ^untergeschobenen Schriftstellers glauben will, läßt dieZ.Jungfrau Maria sehr prachtig begraben; er beschreibt ^^-^ ^alle Umstände davon ; allein er sagt nichts von einemKreuze, das vor ihrem Leichname hergetragen, oderüber ihrem Grabe aufgerichtet worden wäre. In derdioclecianischen Verfolgung wurden den Christen ihre ^Kirchen-niedergerissen. Die Heiden machten diegenausten und umständlichsten Verzeichnisse vondem, was sie darinnen fanden. Mehr als eine Mar-tyrergeschichtc bezeuget dieses. Nirgends sieht man,daß die Christen in ihren gottesdienstlichen Versamm-lungen das Kreuz zu einem sinnlichen Gegenstande ih-rer Ehrfurcht gemacht hätten. Es ist wahr, sie rede-ten viel vom Kreuze, und rühmeten von demselben,daß es die Welt errettet hätte. Allein dann hieß dasKreuz nichts anders als der Tod, den JesuS andiesem Holze ausgestanden hatte. Die Heiden ver-standen diese Sprache nicht. Daher machte Caci! 0,-/5.beym Minmitts Felix den Christen den Vorwurf, K-""-c. 5daß sie unter ihren Geheimnissen ein schändliches Holz ^ ^'hätten. Allein Minmius Felix antwortete, daß O--«/.die Christen weder Kreuze anzubethen noch zu besihenverlangten.

Jesus starb eigentlich für die Erlösung des mensch-lichen Geschlechtes, dennoch war er auch in einemrechtgläubigen Verstände der erhabenste Märtyrer.

I i 2 Gleich.