Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
517
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Zweyter Abschnitt. 517

einer unsichtbaren Gemeinschaft stunden; darum wur-den Gaben für sie angenommen, weil sie von nieman-den angenommen wurden, als von denen, die zurGemeinschaft der Glaubigen gehöreten. Diese Gabenmochten bestehen, worinnen sie wollten; ein jederopferte nach seinem Vermögen.

Das ist es alles , was man von der Ehrfurcht,welche die Christen in den ersten drey Jahrhundertender Kirche gegen die Märtyrer und ihre Reliquien be-wiesen, in den ältesten historischen Denkmaalen auf-finden kann. Denn man wird ihnen doch das zu kei-ner außerordentlichen Ehre anrechnen , daß sie ihregottesdienstlichen Versammlungen oft bey ihren Grä-bern hielten. Die ersteil Christel, mußten zusammenkommen, wo sie am sichersten waren.

Die Ehrfurcht der ersten Kirche gieng also kurz vordem ersten christlichen Kaiser sehr weit; man hatteauch sehr zwcydeutige, wo nicht wirklich irrige Vor-stellungen vom Martyrerthume. Und dennoch ist c6offenbar, daß man in den ersten drey Jahrhundertenkeine Spur einer Anrufung derselben oder einer gottes-dienstlichen Verehrung ihrer Reliquien finde. Die-ses erhellet auch ganz unzweifelhaft daraus. Die Ju-den und Heiden machten den Christen mehr als einenVorwurf darüber, daß sie ihre Heiligen und derenUcbcrbleibsel göttlich verehreten. Sie hingegen wa-ren es, die den Götzendienern den Vorwurf machten,daß unter ihnen nicht eher einer Gott seyn könnte, alsbis er erst die Einwilligung des römischen Senates da-zu hatte. Hatte es nun unter den Christen auch eineArt einer Menschenvergöttcrung gegeben: so wäre ge-wiß dieser bittere Vorwurf auf sie zurück gefallen.

Kk z Wie