Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
526
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526 Geschichte der christlichen Religion.

S- die Ab- könne! Hierzu kamen gewisse Irrthümer, die sich ausK nidl. von den Schulen der alexandrinifchen Philosophie schon un-der alex- ^x. die christlichen Lehrer einschlichen. Also wurde derfthc^Phi' Zunder zu einer abergläubischen Andacht schon itzt ge-losophie. sammlet, der in den folgenden Jahrhunderten entzün-det wurde. Man küfsete itzt die Ketten der Märtyrerund ihre Leichname, zum Zeugnisse, wie sehr man sieliebte. Endlich küssete man sie aus Religion. Diesesbeweist, wie sehr sich Christen vor allem Enthusias-mus in der Religion hüten müssen. Auch der un-schuldigste ist nicht ohne gefährliche Folge.

Man opferte für die Märtyrer in den gottes-dienstlichen Versammlungen der Christen, dadurchanzuzeigen, daß man mit ihnen in einer heiligen Ge-meinschaft stünde. So unschuldig dieser Gebrauchwar: so würde er doch von den ersten Christen, dienicht wollten, daß die Ehre Gottes einem andern ge-geben werden sollte, unterlassen worden seyn, wennsie hatten voraus sehen können, daß die folgende»Zeiten dergleichen Opferungen für eine gottesdienstli-che Ehre ansehen würden, die man den Märtyrernschuldig wäre.

Und gewiß, die ersten Christen können nicht ein-mal beschuldiget werden, daß sie die Absicht gehabthätten, ihre Nachkommen in einen so schädlichen Irr-thum zu stürzen ; denn die meisten Misbräuche ent-stehen nach und nach. Man kann solches daraus ab-nehmen, daß sie sich so wenig Mühe gaben, eine voll-ständige Geschichte der Martnrer und ihrer Stand-hastigkeit zu verfertigen. Wir haben sehr wenigeMartyrergeschichte, die von Augenzeugen geschrie-ben worden sind. Man war zufrieden, wenn manihren Namen, die Zeit und die Art ihres Todes in