Zweyter Abschnitt. 557
Stadt seine Rache empfinden ; sie wurde geschleift,und ihre Einwohner, als Rebellen, bestraft. Wieleicht war es in den Zeiten der Barbarei) und Unwis-senheit für die Verfertiger der Märtyrerverzeichnisse,die Zerstörung einer Stadt, welche die Folge ihresStaatsverbrechens war, mit der bald darauf erfolg'ten Veifolgung der Christen zu verwechseln? Dieerste Kirche kennet also diese Märtyrer nicht, undhätte sie gelehret, daß man heiligen Geschöpfen einegottcsdienstliche Verehrung schuldig sey : so wäre esihre Schuldigkeit gewesen, dafür zu sorgen, daß nichtctwan ihre Nachkommen Rebellen anrufen möchten,wein, sie Märtyrer zu verehren glaubten.
Die Märtyrergeschichte lassen in Frankreich dle/-/. »ö,'^>thebanische Legion, oder sechstausend sechshundertund sechs und sechzig, und dreyhundcrt und achtzehnChristen zu Cöln umbringen. Und eben damals, dadieses geschehen seyn soll, gab es daselbst keine Verfol-gung der Christen. Also nimmt eine unparteyischeUntersuchung der Geschichte bloß der französischen Kir-che fast sieben und zwanzigtausend Märtyrer.
Die abyßinische Kirche hat eine noch größere An-zahl erdichtete Märtyrer, welche während der Ver-folgung des Decius, wenn man dem abyßim'sthen Ka-lender glauben will, hingerichtet worden sind. Manmuß sie aus der Hofstatt verweisen, die man im Pa-radiese formirct. DionysiuS, der Bischof von Aler-andricn, der unter dem Dccius lebte, und den be-drängten Zustand seiner Hecrde so nachdrücklich be-schrieb, weis von den scchszehn tausend Märtyrernnichts, die doch in der Nahe von ihm die Wahrheitder Religion mit ihrem Blute versiegelt haben sollen^eben so wenig als EusebiuS von den hundert und funf-
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