Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
670
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67O Betracht, über die Weltgeschichte.

und seinem Bruder den Bann ankündigte, wenn siesich mit den Lombarden, einem so meineidigen Volke,und so großen Feinden der Sradr Rom, be-freundeten. Dießmal aber war aller Misbrauch derReligion unkräftig ; denn Carl verband sich wirklichmit der lombardischen Prinzeßinn; und vielleicht wäreRom noch unter die Gewalt der Lombarden gekom-men, wofern sie nicht sehr bald wegen ihrer Unfrucht-barkeit und Krankheit von ihrem Gemahle verstoßenworden wäre.

Um diese Zeit starb Carlomann, und ob er gleichunmündige Kinder hinterließ : so besaß doch Carl s»viel Ehrgeiz und zugleich so viele große Eigenschaften,daß er ihnen die Erbfolge entzog und sich zum Herrnder brüderlichen Staaten machte. Hier sing sich dieEpoche seines großen Glückes an. In wenig Jahrenunterwarf er sich durch seine siegreichen Waffen dieSachsen, welche sich immer wieder empöreten, sooftsie auch gedemüthiget wurden; die Bayern , derenLand er seinen Staaten einverleibte, und die Lombar-den , ° über welche er sich zum Könige krönen ließ,nachdem er ihren König überwunden und ins Klosterverwiesen hatte. Wir werden bald sehen , daß er«icht so glücklich gewesen seyn würde, wenn er nichtmit so großen Eigenschaften begabt gewesen wäre.Die Ueberwindung der Lombarden gab ihm die Ober-herrschast über ganz Italien , wenn man Sicilien,Apulien, Calabrien , Lucanien und das HerzogthumBenevcnt auSnimmt, wo sich die Griechen noch be-haupteten. Die römischen Bischöfe hatten sich demGehorsame der Griechen und Lombarden entziehenwollen; die Folge davon war diese, daß sie Untertha-nen der Franken wurden. Doch den wichtigen Vor'

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