688 Betracht, über die Weltgeschichte.
„/..werden mußten, die man nur damals kannte. Zumwenigsten las man den Virruv. Carl wurde cin-^^-^-^'mal mit einem Cabinette von elfenbeinern Säulenbeschenkt, welches nach vitruvischen Vorschriften ge.arbeitet seyn sollte, und Eginhcird versichert, daß erwirklich nach dem Geschmacke der alten Römer gewe-sen wäre. Aachen wurde vornehmlich der warmenBäder wegen von Carln so sehr geliebt und verschö-nert. Diese Bäder hatte er mit prächtigen Marmel-stufcn und kostbaren Sitzen versehen lassen. Sie wa-ren so groß, daß hundert Personen darinnen schwim-men konnten. Deutschland, Frankreich und Italien hat viele Ruinen seiner Gebäude aufzuzeigen.
So groß war bey Carln der Monarch; derMensch war eben so groß. Er war fast allezeit einHerr über seine Leidenschaften; seine Mäßigkeit waraußerordentlich , und ihr hatte er die dauerhafte Ge-sundheit zu danken, die wider seine Feldzüge, nochseine Reichssorgen, noch seine gelehrten Beschäffcigun-gen zerstören konnten. Er konnte mit seinen Unter-thanen vertraulich werden, ohne sich ihnen verächt-lich zu machen. Nur er durfte es wagen, selbst mitden Soldaten seiner Wache in seinen warmen Bädernzu Aachen zu schwimmen. Im Kriege schien er bloßSoldat zu seyn, und doch war er Feldherr; mit sei-nen Hofleuten gieng er um, als wenn er unter sie ge-hörte, und doch blieb er Monarch. Man kann nichtleugnen, daß er ehrgeizig war, aber er war eö so,daß ihn keine Schmeichler verderben konnten. Inder Ehe und Liebe war er unbeständig; das ist dereinzige große Fehler seines Charakters: allein, manmuß bey einem Carl etwas entschuldigen.
Nunmehr darf man nicht mehr nach den Ursachenfragen, welche die fränkische Monarchie gegen das
Ende