Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
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Dritter Abschnitt.

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gen wurde, führete den Namen Homer . Carl ließsich, um seine Unterchanen zum Geschmacke an dieWissenschaften zu gewöhnen, so weit herunter, daß er,ihnen zum Beyspiele, selbst noch in seinem Alter dieKunst schön zu schreiben erlernen wollte. Ersah wohlein, daß, wenn er die Finsternisse seines Jahrhun-dertes vertreiben wollte, er selbst, nicht allein derMonarch, sondern mich der Lehrer seiner Unterthanenwerden müßte; und er ward es wirklich. Er verwiesden Aebten und Mönchen, die an ihn schrieben, nichtallein die rauhe Schreibart, und das barbarische La-tein ihrer Briefe: sondern er fing so gar an, eineSprachkunst für sein Volk zu verfertigen, worinnener viele fränkische Wörter veränderte, die halb fremd,halb lateinisch waren. Er sprach das Latein so gut,als seine Muttersprache; er redete so gar das Griechi-sche, ob er es gleich noch besser verstund. Vielleichtwar er auch in seinem weitläufigen Reiche der größtePoet. Ein so großes Beyspiel erweckte bey dem Mön-che , dem Layen, dem Hofmanne und selbst dem schö-nen Geschlechte, unter denen es damals so gar Stern-kundige gab, den Geist der Nacheiferung. Die Lustzu den Wissenschaften ward in zwanzig Jahren die Mo-de des Hofes. Und wie hätte sie das nicht werden sol-len, da er selbst über der Tafel nicht einmal müßigwar, sondern sich während seiner mäßigen Mahlzeitdie Schriften der Alten vorlesen ließ? Er verbessertedie Musik bey dem Gottesdienste, und ließ, diese Ab-sicht zu erreichen, die besten Kirchensanger aus Ita-lien kommen. Seinen Geschmack an den Künsten be-wiesen seine Gebäude. Aachen war sein liebster Auf-enthalt. Hier ließ er eine prachtige Kirche und einenPallast bauen, bey welchem alle Regeln beobachtet

wer-