II. Deutsche Sprache. 69
Sprache zum Vortrage philosophischer Wahrheitenwählte, und dadurch überaus viel zu ihrer Ausbil-dung beytrug. Da dieses vornehmlich in denObersachsischen Provinzen geschahe, welche noch im-mer der vorzüglichste Sitz der Künste und Gelehr-samkeit waren, so hatte auch die HochdeutscheSprache den vornehmsten und schnellsten Antheildaran.
Gottscheds Verdiensie können dabey nicht ver-kannt werden. Er war einer der ersten, der sichdem Italienischen Schwulste der LoheitstemischenSchule mit Nachdruck widersetzte, der mit Eiferaus die Reinigkeit der Sprache drang, ohne selbstrein und edel zu schreiben, der die schönen Künstedurch Hülfe der neuern Philosophie nach dem Ma-ße seiner Kräfte aufzuklären suchte, der die Deut-schen mit den Franzosen und Engländern bekanntmachte, deren Beyspiel sie lehrete, die Alten und inihnen die Natur mit Geschmack und Scharfsinnnachzuahmen, der — doch hier befinde ich mich schonan der Gränze. seiner Verdienste, die von man-chen zu sehr vergrößert, und von andern wieder zusehr verkleinert werden. Selbst, weder ein schönerGeist, noch ein gründlicher Philosoph, noch ein ties-sehender Sprachkenner, riß er nur ein, ohne selbstzu bauen. Allein sein Eifer und die jetzt gedach-ten günstigen Umstände verschafften ihm Schüler,welche ihren Meister in kurzer Zeit sehr weit hintersich zurück ließen. Gottsched, erstaunt, daß dervon ihm gezeigte Weg weiter führte, als er; selbstgehen konnte, und zu stolz, sich von seinen Schü-lern übertroffen zu sehen, wollte das Maß seinerKräfte zum non xlus ultra aller machen, und wardnunmehr aus Eigensinn und Verzweiflung ein
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