Mehrteiliges Werk 
Briefe Deutscher Gelehrten an den Herrn Geheimen Rath Klotz / Herausgegeben von J. J. A. v. Hagen, Lieut. des Königl. Preuß. Reg. von Anh. Bernburg
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Jauer den 20. Juli 1769.

ndlich folgt der Schluß meiner Rhapsodie überdie Schönheit und den Geschmack, weiche nurdaher einigen Werth erhalten kann, wenn ich weiß,daß sie Ihnen ZUM Theil gefällt. Es scheint paradoxbey so viel tausend Widersprüchen da6 Gesetz derSchönheit festzusetzen ; doch bin ich so kühn zu de,Häupten, daß ich es gefunden habe, da sich allePhä-nomena der Schönheit herleiten lassen. Eben dieseWidersprüche müssen hauptsächlich mit in Anschlagkommen, und ich denke sie vereinigen sich alle unterdem allgemeinen Gesichtspunkte, den ich angegebenhabe. Es ist ein Unglück für die Wissenschaften undfür die Deutschen, daß sie immer nachbeten, unddurch das Ansehn ihrer Vorgänger geblendet, ihreErklärungen alSalgebraischeAecjuationen gelten lassen,denn können wir freylich tausend Schlüsse herauöccü-culiren, die der Erfahrung zuwider sind; und wirdenken nicht daran, ob die Gleichung erst richtig war.Wir werden in der Philosophie niemals Progrcssenmachen, so lange wir altgläubig am System unsererVater hangen, oder so lange wir Grillen nicht ver-dammen wollen, die wir blos deswegen lieb haben,weil sie in unser System passen. Wie hat sich daSunschuldige Interesse müssen mißhandeln lassen; zer«slören wir uns nicht selber, wenn wir verdam»men? Die Theologen machten den Anfang, undschafften es glücklich aus ihrer Moral kunaus; di-K 5 ' UM