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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
38
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Falschheit und Untreue. Beyde glaubte» aus Handlungenderselben berechtiget zu seyn, ihnen solche Vorwürfe machenzu dürfen. Und gewiß, ich lobe den Arminius wegen sei-nes Unternehmens, seine Landsleute von den Unterdrückernihrer Freyheit bcfreyen zu wollen, aber seine Ehre istzweydeutig. Der Ruhm seines Sieges würde um so glan-zender seyn, wenn er ihn auf freyen Felde erfochten, undnicht bey einer LandtagSversainmlung, bey der es immerNicht zu ordentlich zugicng, erschlagen hatte, die doch keinander Unglück hatte, als daß sie von Römern und nichtvon Deutschen ausgeschrieben war. Wenigstens gaben dieseBeyspiele jenen Anlaß, ein gewaltiges Mißtrauen in diedeutsche Redlichkeit zu setzen, auch sich eben so daran zu«rinncrn, wie wir an Hochkirchen.

Doch die häuslichen Sitten sind eS vielleicht, die ?a-citus zum Vorwurf seiner Satyre gemacht hat, und die ervom i8ten Kapitel bis zum 2isten beschreibt. Hier wirdmir bange. Kaum sehe ich einen Weg der Ausflucht vormir! Er hat hier zu deutlich verrathen, wie weit die-mer in diesem Stücke den Deutschen nachstehen müssen.Sein ganzer Unwille gegen ihre Eitlen scheint sich hierauf seine Schreibetafcl ergossen zu haben. Ein geheimerWunsch verrath hier den Patrioten. Satanische Seufzerentwischten ihm. Er wünschte, daß eine Reformc der Sivten mit seinen Landslcutcil vorgenommen, und die Disci-plin derselben, nach den Mustern der Deutschen, verbessertwerden möchte. Richt so? so dachte Tacitus , da er dieQuellen der Vcrderbniß angab? Er mag selbst reden: Die Deutschen sind in ihren Ehen ernsthaft und strenge. Kein Theil ihrer Sitten gefallt mir mehr, als dieser. Sie

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