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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
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zurückgeschlagen, so ficiigen die Weiber und Kinder ein so«ntsetzliches Geheul an, daß die Manner von neuem angc-feuert, das zweyte Treffen wagten, und auch glücklich denSieg erfochten. Nach erstrittenem Siege zahlten sie dieWunden ihrer Männer. Ein zerfleischter Körper war derhöchste Ruhm ihrer bewiesenen Tapferkeit. Sie säubertendie Wunden, saugten das Blut aus, und gössen Thränender Liebe und linderndes Oel des Kusses in ihre offeneStriemen. Kap. 7. Zu diesen Pflichten also mußte sicheine angehende Ehefrau verbinden. Nun weiter. Nochwaren die Geschenke Erinnerungen ihrer ehelichen Keusch «hcit, mit Hinsicht auf ihre Nachkommen, als Früchte ihresEhestandes.

Sie empfange sie, mußte das Weib ferner angclo-ben, und bewahre sie, bis sie sie ihren Kindern unverletztwieder geben, ihre Schwiegertöchter solche als würdig an»nehmen, und so auf die Enkel bringen können." Dießist die ganze Beschreibung der Eheftandsceremonien unsererVorfahren. Wenn wir jetzigen Deutschen darüber nach-denken, was für ein Resultat würden wir wohl heraus-bringen? Der anacreonlische Weise, Jüngling oder Alte,nimmt die Welt, wie sie ist. Ein Heraciit würde weinen,und ein Democr-it lachen. Ein dritter würde unentschlossenseyn, und sich für nichts erklaren, und so denkt jeder immeranders, nachdem ihn entweder Vorurtheile, oder Lieblings-satze, Begriffe, Absichten, Verhältnisse der Dinge, Ge-setze, Religion, Sitten und lausend andere Umstände mehr,zu dieser oder jener Meynung leiten und führen. Lycurg,jener grosse Gesetzgeber in Sparta , hatte gleiche Absichtmit den alten Deutschen. Die Freyheit seines Vatcrlan-

des,