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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
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hindert würbe«, und diese, nicht jene Wirkung, und derenoft nothwendigen Gebrauch , hatte Tacitus züchtigen müssen. .Der übertriebene Hang zum Raisonnircn verleitete ihn oftzu schiefen Gedanken. Er wollte überall seinen Kopf zei«gen, und unbesorgt, ob er Dinge nicht manchmal anderssehe, als sie wirklich sind, war er zufrieden, einen Ge*danken angebracht zu haben, er mochte nun verstanden wer-den, wie er wolle.

Noch muß ich eine Stelle erläutern, die von vielenwider die Gebühr zu weit ausgedehnt wird. Die Redens-art, die ebenfalls ein eingeschaltetes Urtheil unsers TacituSist, ob sie wohl unsern Vorfahren zum grossen Ruhm ge-reichet, daß nehmlich die guten Sitten bey den <Oeut>schen mehr gelten, als anderswo die guten Geseye,ziehet man ohne Bedenken auf das allgemeine gute Ver-halten dieser Nation. Sie ist aber unrecht, diese Ausdeh-nung. Sie hat bloß ihren Bezug auf den Kindcrmord,den die Deutschen für das abscheulichste Laster ansahen.In Rom lief er durch alle Strassen. Manche römischeDame legte in die Arme des kalten Todes die unglücklicheFrucht ihrer vcrstohlnen Liebe nieder, um die Schande zuverbergen, eine gesetzlose oder widerliche Kindbettcrinngeworden zu seyn. In Griechenland vorher, ward erdurch Gesetze bestätiget, und in unseren aufgeklarten Zci-ten hat er seine unsccligen Wohnungen fast in allen grossenHauptstädten Europcns aufgeschlagen. Die alten Dein>schen hatten keine Solone und Lycurge, sie sahen aber dasUnrecht mit einem durchdringenden Gefühl des Schmerzesein, unglückliche und hülfiosc Geschöpfe abzuschlachten, ohneihnen die Zeit zu lassen, sich selbst vertheidigen zu können.

Und