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„ griffen dcr Deutschen unettragliche Schmach, stieß sie„<w6 dem Hause, und peitschte sie durch die ganze Ge-„ mdn.de. Weder Schönheit, noch jugendlicher Reiz, noch„ Reichthum konnte sie schätzen. Für ihr Vergehen war„ bey dem beleidigten Gatten keine Nachsicht oder Gnade.„Und der wäre mit Verachtung angesehen, ja gar aus„der Gemeine gestossen worden, dcr sich eine Verstoßene„ zur Frau zu nehmen, hätte beyfallen lassen wollen.
Hier bringt nun Tacitus seine gewöhnliche Marimewieder an. IZx dachte der Strenge dieser Straft nach, undda fand er, „ daß kein Deutscher über die Laster scherze,„und die thatige und leidende Verführung nicht mit der„ Gewohnheit des Jahrhunderts entschuldigt werde." Derstrenge Ernst dcr Deutschen in Bestrafung der Unkeuschheitwird hier durch den Gegensatz, den Mangel der Gleich-gültigkeit oder ^Nachsicht, die sich vornehmlich im Lachenzeigt, ansgcdruckt; und als eine Maxime betrachtet, vondcr Einsicht in das pragmatische geboren, ist sie demGeiste des Tacitus um so anständiger, weil sie kurz abge--faßt ist, und viel zu denken giebt. Beydes, diese und diehinzugefügte von der Gewohnheit des Jahrhunderts, istaber so wenig in dcr Absicht hingeschrieben, um eine vcr-steckte Satyrc auf das Jahrhundert der weit gelinder den-kenden Römer zu seyn, als daß die hausliche Aufführungder in ihrem Ehestande so strengen Deutschen , in welchersie ganz nackt und unflatig hcruingiengcn, die Mütter ihreKinder selbst saugen, und solche weder den Magdcn nochAmmen übergeben, eine Satyre auf jene seyn könne. Danndcr Gebrauch der Ammen fiel von selbst weg, wenn dieUrsach ihres Daseyns, wie bey den Deutschen geschah, ge-hindert