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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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sie als die einzige Quelle von der Verderbniß der Sittenanzusehen, ist so etwas, das Wenige dem Tacirus zugc-ben werden. Die Deutschen hatten auch ihre Schauspiele,die zum Kampf, und für den Krieg eingerichtet waren.Pamominen, wo Lcdens Tanze vorgestellet wurden, undderen verführerischem Elfte sogar die grobe Natur derBauerweiber nicht widerstehen konnte, gehörten nur fücRom. Die Deutschen hatten auch ihre Gastmale, undwir haben gelesen, wie lustig es darauf zugicng. Schlageund blutige Handel bekrönten den Ausgang derselben.Hingegen prangten die römischen mit den ausgesuchtestenLeckerbissen, die nur die Weichlichkeit erfinden kann. Unddoch, o TacitnsJ doch hattest du deinen Römern darübereine Salyre schreiben wollen, da doch das Verderben nichtin dem Genuß dieser Dinge, sondern in der Art derselbenlag, die aber nach ganz andern Gründen beurtheilet wer-den müßte, nein, man nehme die eingestreute Maxime fürweiter nichts an, als was sie ist, für eine natürliche Fol-ge ihres beschriebenen Ehestandes, mit Bemerkung deSMangels an Gelegenheiten, die die Deutschen theils Nichtkannten, theils sich dadurch nicht verführen liessen.

Hierauf beschreibt Tacitus die Seltenheit des Ehe-bruchs unter den Deutschen . Es gab Falle, wo die ehe-liche Treue verletzet wurde, denn dies siehet man aus derBeschreibung der vollzogenen Strafe, aber die Falle wa-ren selten. Die Strafe enthielt alles, was eine aufze»brachte Wuth rohes und wildes an sich hat.

Der Mann ergriff sein Weib, die so gewissenlosgewesen war und die Treue gebrochen hatte, zog sie na- ckcnd aus, schnitt ihr die Haare ab, eine nach den Be-

griffe»