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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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da, wo sie nicht ist, den Wunsch, sie eingeführt zu sehen,zu verrathen, und wo sie ist, sie zu schätzen, dem muß ichzwar seine Einsicht lassen, aber er wird doch nimmer imStande seyn, eine Msicht zur Satyre auf die Römerdaraus herzuleiten, und sie zur allgemeinen Absicht desBuchs selbst zu machen. Zugegeben, was ich mit vollenHanden kann, so beweißt die Reflexion des Tacitus nichtmehr, als die höchste Versicherung, zur genauesten Be-Wahrung der ehelichen Treue auf Seiten einer deutschenFrau, mir Bemerkung der Schwierigkeit, sie nach deut-schen Sitten und ihrer Lebensart verführen zu können,als in Rom hingegen tausend Gelegenheiten, und darmutcr sonderlich drey waren, bey welchen es nicht viel Mühekostete, die Weiber zu verführen und sich verführen zulassen. Die Worte also:

Ergo scpta pudicitia agunt, nullis spectaculorum ille-cebiis, nullis conviviorum irritationibus corrupiae,

sind hier, wo von der ehelichen Treue der deutschen Weibergeredet wird, die sie den Mannern durch den ganzen Ehe-stand hindurch, gleich bey dem Antritt desselben, feste undunverbrüchlich zu halten angelobet hatten, cl>cit so nach,ihrem Standorte zu erklaren, als jene, von den Geheim-Nissen des piicsterlichen Segens , und den Ehcstandsgöt,lern, bey der Uebcrgabe der Geschenke, und der damitvollzogenen Copulation. Arcana säcra, conjiigales Deos.Beyde Dinge, priesterliche Einsegnung, und Ehestands-götter, hatten die Deutschen nicht, kannten sie nicht. Ta-eitus drückt sich hier als Römer aus, und so fielen ihmbey der f.pta pudic^ia die römischen Schauspiele und Gast-male ein. Ob es schicklich war, sie hier anzuführen, und

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