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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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lenkte die Zugcl des besseren Schicksals im römischen Rci^chc nach einer mit Weisheit gemäßigten Güte. Voll ihmkonnte er sich allen Beystand versprechen. Er konnte frei)denken, was er wollte, und sagen oder schreiben, was erdachte. Er konnte die Laster seiner Mitbürger laut angrei»fen, und so mahlen, wie er sie fand. Einen so edle» Triebum die gute Sache in der Geschichte einer fremden Nationund noch dazu versteckt, verrathen zu wollen, würde dasnicht Kleinmüthigkeit gewesen seyn? Nein, Tacitus lachteüber den Domitian, daß er sich eines grossen Sieges überdie Deutschen, falschiich gcrühmct hatte, und schrieb seil,Lachen auf. Ohne Furcht vor Gefahren, verfertigte erAnnalen der Römer, und trug darin nach den Gesetzen der,selben Haupttugcnden und Hauptlaster seiner Nation, zurBewunderung und zum Schrecken der Nachwelt vor. Erschrieb Geschichten der Kaiser, die von wichtigen Auftritten,von verzweifelten Schlachten, von innerlichen Unruhen,und ausscrlichcn Empörungen voll waren, denen die Lastervon allerley Art gemeiniglich zur Seite gehen. Weit ge-fehlt, daß ihn Trajan darüber zur Verantwortung gezogenhatte, nahm er ihn vielmehr an seinen Hof, und stellte ihnmit dem Pliiüus, und noch andern Gelehrten in ein sol-ches Licht, daß sie ihres Glanzes wegen allgemein bewun-dert, verehret und geschahet wurden. Unmöglich konnteTacitus sich mit einer Satyr« befassen, und dazu die deut»sche Geschichte wählen. Er suchte sich Gegenstände aus,die der Würde und Grösse seines Geistes angemessen waren.Die Schicksale des römischen Reichs, seiner geliebten Na,tion, sowohl unter sich, als in Bezug auf Begebenheitenmit fremden Nationen, und diese Begebenheiten aus ihrenersten Quellen, aus den Tiefen heraus zu holen, ihren

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