Druckschrift 
C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

b-~=H&g£pC=~ $

55

Aufmerksamkeit einer Nation zu widmen, von der man soviel zu befürchten hatte. Für sein Theil glaubte er, müsseman sie entweder nochmals mit aller Macht angreifen,und ihre eigene Laster zu ihrer Vertilgungbrauchen, oderganz von ihnen abstehen, und so zu behandeln suchen, daßsie, ihren eigenen Schicksalen überlassen, die Römer tocfnigstens nicht ferner beunruhigen mögen.

Inzwischen war Trajan von seiner am Nicderrhcingeführte«: Statthalterschaft, nicht lange in Rom angekom-men. Dem Tacitus war unbewußt, was der Kaiser etwafür Maasregeln gegen die Deutschen, die er aus langerErfahrung am besten kennen gelernt hatte, ergreifen möchte.Als ein besonder grosses Lob rühmte der jüngere PliniuSvon ihm, daß er beydes die Dacischen lind Deutschen/beyde gleich wilde und tollkühne Völker, die wie reisscndeThiere aus ihren Höhlen hervorbrachen, zum Gehorsamgebracht, jene in einer Schlacht überwunden, und diesemit Klugheit und Güte zur Ruhe gewiesen habe. Wegendieser klugen Aufführung, und weil die Römer die Dent^schen für noch furchtbare Feinde hielten, führte er auchvon den letzlern den Beynamen Germanicus . Denn manliefet nirgends von ihm, daß er die Deutschen in einemTreffen überwunden hatte. Eine Geschichte der Deutschenzum Andenken dieser wichtigen Begebenheit, und weil derKaiser die Nachricht von dem Tode des Rerva zu Cöllnam Rhein empfangen hatte, war für ihn in aller Absichteine angenehme Lectüre. Der Kaiser reizte keinen Feind,aber er ließ sich auch nicht reizen. Gleich liebenswürdigim Frieden, war er so furchtbar im Kriege, als je einerseiner Vorfahren. Welcher schmeichelhafte Gedanke für

d 4 unsern