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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
82
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rüstung that, mit ihr zu Tische, zum Biere, auf die Land,tage, und an die Arbeit gieng; wenn er allen Streit amliebsten mit dem Säbel in der Hand entschied; wenn Herrund Knecht, Frau und Magd, mit ihren Kindern, in Ge-sellschaft des kleinen und großen Viehs, auf Einem BundStroh, fast nackend zusammen lagen, wenn sie den Trunkliebten, sich auf den Ackerban und die Viehzucht legten,und ihre Weiber ihren Busen den Fremden öffneten, ohnesich zu schämen, (und der Pohle thut dieses alles bis aufden heutigen Tag noch) so ist mir diese Achnlichkcit weiteinleuchtender, als die mit den Westphalern. Ich glaubesie aber darum noch nicht, sondern ich bin der Meynung,baß Tacitus- die Nachrichten von Deutschland, alle nach«inander gelesen, oder vor sich gehabt, sie mit einanderverglichen, die Aehnlichkeit der Sitten unter den Völkernzuerst ausgezogen, und niedergeschrieben, diejenigen aber,die er in diesen Entwurf nicht bringen können, herausge-lassen, und sie bey Beschreibung der Völker selbst, mit an-gcführet habe, und dieß saget Tacitus Kap. 27. auödrück-lich, dessen Aussage noch nicht widerleget ist.

Nun die Sitten. Mit der ehelichen Treue will ich denAnfang machen. Zu dieser schönen Tugend kann ich beyden Deutschen keinen andern Beweggrund finden, als denGrund der Liebe zur Freyheit, nach welcher ein Ehemannfür den ruhigen Besitz seiner Ehefrau, und als Hausvaterfür die Rechte seiner Familie, eben so stritt, als er für dieFreyheit seiner Gemeinheit, und in derselben für die Frey-heit seines Vaterlandes zu fechten gewohnt war. DerGrundsatz von der allgemeinen Freyheit war ihnen so na-türlich, daß er auch in die Rechte des Ehestandes über

gieng,