Druckschrift 
C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
93
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kurz aus der Sache zu kommen, schneidet er das im Ta«citus vorkommende Wort: corpore infames, das In-strument der Sünde, mit der Wurzel ans, und legt da-für ein Pflaster auf die Wunde, das aus torpore ge-macht und zubereitet ist. Dieses schickt sich besser für dendeutschen Helden. Und nun mögen die lügenhaften Grie-chen sagen, was sie wollen, so trifft der Vorwurf voneiner so widernatürlichen Liebe doch die Deutschen nicht.Denn der Philosoph Aristoteles hatte es sogar aufge-schrieben, daß die Knabenlicbe ein Vorzug der tapferstenVölker, und insbesondere ein Eigenthum der nordischenNation wäre. Andere, die die Sache in ihrem Werthund Unwerth beruhen ließen, und sie waren Ausländer, bekümmerten sich nicht darum, ob Tacitiis oder Li-psiug recht habe. Sie sorgten nur dafür, daß dem Textdes crstern keine Gewalt geschehe. Corpore in torporeumzuschineissen, schien ihnen ein unglückliches Unterneh»men. Im attcrstrcngsten Sinn genommen, kann torpormit keiner Infamie in Gesellschaft stehen. Hierzu ge-selleten sich noch andere. Sie wiederholten den altenVorwurf, und unterstützten ihn mit neuen Gründen. InItalien, sagen sie, ist die Sünde gemein, und sie tra-gen nicht nur den Nam.n der Infamen davon, sondernman verdammt sie auch zum Feuer. Eben so ergieng esin dem alten Deutschland? . Wo die Laster überHand neh«men, da müssen die Strafen vermehret werden. Die sichdarin des Lasters der Sodomitercy schuldig gemacht hat«tcn, wurden zum Wasser vccurtheilt. A. Gronov, derdie Thatsache für erwiesen halt, mildert nur den Vorwurfmit der Einschränkung, daß die Sünde nicht allgemein ge-wesen, und so ist es bey der Beschuldigung geblieben.

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