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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
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ich ihren ganzen Zustand nicht. Gladow in seiner Reichs-Historie sahe die Fabel wohl ein. Er will, diese Gewöhn-heit seye geschehen, um die Kräfte der Kinder zu probi-ren. Das richtigste aber, das sich davon denken laßt, ist,daß sie die Natur des Kindes von zarter Jugend an, ab-zuharten suchten. Die Deutschen liebten die kalten Ba-der. Sie hielten sie allein für geschickt, dem Körper eineDauerhaftigkeit und Festigkeit in den Nerven zu vcrschaftfen, und der Verzärtelung vorzubeugen. Die Eltern gien-gen daher mit ihren Kindern öfters nach den Flüssen, sichzu baden, und sie priesen es als das beste Mittel zurTapferkeit an. In dieser Absicht hat Birgil die Gcwohiuheit der alten Deutschen am besten verstanden, wenn cuin ihrem Namen sagt:

- Natos ad flumina primnmDeferimus^ secroque gelu duramus et undis.

Von diesem Vorwnrf hatte ich also meine Vorfahren ge->rettet. Run eile ich zum zweyten, und mit ihm zum En»de. Dieser ist wichtiger, und so , wie er im Tacitns lau«<et, hangt er den Sitten unserer Voreltern keinen gerin«gen Schandfleck an. Tacitus beschuldigt sie, oderwenigstens versteht man ihn so, des Lasters der Kna-benliebe. Kap. 12. Wie, was? das lese ich von meinenalten Deutschen, jener wilden und furchtbaren Nation?Diese bis zur Wildheit tapfern Leute, sollten von demLaster der Weichlichkeit ergriffen worden seyn, und denGlanz ihrer Keuschheit so gräßlich beschmutzt haben? So>ruft Lipsius aus. Da ihm dieses unmöglich dünkt, solegt er sich mit aller Gewalt für sie ins Mittel. Um

kurz

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