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C. C. Tacitus von Deutschlands Lage, Sitten und Völkern : Mit erklärenden Anmerkungen, einigen Ausführungen udn Abhandlungen, und einem geographisch-historischen Wörterbuche / von Johann Heinrich Martin Ernesti, öffentlichem ordentlichem Professor an dem Herzoglichen akademischen Gymnasio Casimiriano zu Coburg
Entstehung
Seite
91
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also der Explofator pudicitiae matrum. SSielc der altenAutoren scheinen auf diese Gewohnheit zu zielen, Nazian-gen schreibt:

Expiorant Celtae partura per flumina Rheni.

Hiermit stimmt auch Claudia» in den Ruf. 2. B. Vs. 112.überein. Und noch merkwürdiger ist die Stelle, die Ges->«er daselbst aus dem Julian anführt^ Solche Beweisefür die Thalsache, könnte man denken, lassen sich dochnicht laugnen. Zwar nicht laugnen, aber doch anders er-klaren. Zwo Anmernmzen werden die ganze Fabel wi-derlegen. Taeitus schreibt nicht ein Wort davon, undsein Slillschweigm ist mir Bürge, daß die Kinderprobefalsch sey. Erstlich stritte sie offenbar mit der Liebe, wel<-che die alten Deutschen gegen ihre Kinder hatten. Siewar so groß, daß sie eine zahlreiche Nachkonnnenschasifür ihre einzige und höchste Freude hielten. Und eben.diese so liebreich denkende Alten, sollten ihre Kinder demungewissen und fürehterlichcn Elemente des Wassers anver«trauet haben, ans Neugier, ob es die ihrigen waren?Zweytens, sollte die Wasserprobe wahr seyn; sollte sie,,welches hierbei) wohl in Acht zu nehmen ist, den Aus>schlag der mütterlichen Keuschheit nur allein haben gebenkönnen: wie mißlich wäre nicht der ganze Ruhm unserepVorfahren in diesem Stücke'.' Schwerlich ließe sich dieTugend der Keuschheit, der sie so ergeben waren , mit die«ser Probe zusammen reimen. Alle jungen Kilwer, vonjeder Mutter, männlichen oder weiblichen Geschlechts nachdem Rhein zu bringen, und 0011 diesem den Ausspruchüber die Treue der Weiber thun zu lassen, wenn dies*Sitte sich mit dem System der übrigen vcrsragt, so Ut\w

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