Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

( -6» )

von dem Alkoran) spricht er, er wolle mich gen Cc»i-stantinopel zu dem Kayser schicken, da ich noch auf denheutigen Tag bin, bey dc6 Kayscrs oberstem Dollmetsch,welcherein Deutscher ist.,, Doch was sollte er auch mehrsagen? Wer erzählt gern eine Komödie, die er mit sichmüssen spielen lassen ? Einem Manne, der nicht ganz oh-ne Gefühl und Schaam ist, kostet es die äusserste Ueber-windung, sich ihr zu unterziehen: was Wunder, daß erjeder Gelegenheit ausbcngt, sich ihrer wiederum zu erin-nern? Recht wohl, daß sich die Religionen unter einan-der den Uebertritt selbst so erschweret haben, daß nichtleicht ein ehrlicher Mann zu einer von der andern laufe»wird! Was also Neuser von sich hier blos verschweigt,hat man kein Recht darum in Zweifel zu ziehen, wenn esvon andern glaubwürdigen beuten, die an Ort und Stelledavon Nachricht einziehen tonnen, bestätiget wird. -

2. Ein Wort jedoch von diesen glaubwürdigen beu-ten selbst. Kaum kann ich Michael Hebercrn (*)dazu rechnen, als welcher erst 1588, und also zwölf Jahrnach Neusers Tode, nach Constantinopcl kam, und seineNachrichten wahrlich nicht von sehr zuverlässigen Perso-nen hatte. Eher noch muß man den Böhmischen BaronZVenceolaus Vudorvez von Vudoroa gelten lassen,der sich um 1579 bey der Römisch Kayserlichen Gesandt-schaft zn Constantinopcl befand; also aber doch auch nichtNeusern von Person gekannt hatte, und gleichwohl einigedreyßig Jahre darauf die abscheulichsten Dinge von ihm

in

")Jn seiner ^egvptiaca lervitus, gedruckt zu Heydelberz1610, in 4.